{"id":8312,"date":"2014-06-03T19:01:46","date_gmt":"2014-06-03T23:01:46","guid":{"rendered":"https:\/\/bonanzabrand.info\/library\/?p=8312"},"modified":"2025-02-18T19:11:43","modified_gmt":"2025-02-19T00:11:43","slug":"das-kirchenpicknick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bonanzabrand.info\/library\/?p=8312","title":{"rendered":"Das Kirchenpicknick (by Sibylle)"},"content":{"rendered":"<p>Die Familie Cartwright besucht ein Kirchenpicknick, alles ist harmonisch und friedlich &#8211; oder doch nicht? \u00a0Prequel (1846)<\/p>\n<p>Rating: \u00a0K (2,650 words)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Das Kirchenpicknick<\/strong><\/p>\n<p>Little Joe duckte sich und rannte dann zwanzig Meter zum n\u00e4chsten Busch, dort kauerte er sich hin und untersuchte den Boden. Fu\u00dfspuren, ganz deutlich, viele Spuren, aber eine davon musste die seines \u00e4lteren Bruders Hoss sein. Der kleine Junge entschied sich f\u00fcr einen Fu\u00dfabdruck, dessen Spitze von der gro\u00dfen Picknickwiese weg zeigte. Ja, da musste Hoss hin sein, denn auf der Wiese war er nicht mehr, er war schon so lange weg, er musste in Gefahr sein. Joe fasste sich ins Haar, gut, sie war noch da, die gro\u00dfe Feder, die er gefunden hatte. Sie steckte fest in seinen braunen Locken. Little Eagle w\u00fcrde die Spur aufnehmen und Hoss finden und retten. Der Vierj\u00e4hrige sah sich um, er musste sich unbemerkt anschleichen wie ein echter Indianer, immer in Deckung bleiben. Bis zum n\u00e4chsten Busch in die richtige Richtung waren es diesmal zehn Meter, geduckt rannte Little Eagle zu seinem n\u00e4chsten Versteck, den geraden Stock, den er aufgesammelt hatte, wie einen Jagdspie\u00df in der linken Hand.<\/p>\n<p>Hoss sa\u00df auf der einen Schaukel auf dem Spielplatz der Schule, auf der anderen sa\u00df Amalie, das neue M\u00e4dchen in der Schule, eine kleine Rothaarige in seinem Alter mit Z\u00f6pfen, deren Enden zu Affenschaukeln hochgesteckt waren. Sie wiegten sich beide auf den Schaukeln ein wenig hin und her, w\u00e4hrend sie sich unterhielten und Donuts a\u00dfen.<br \/>\nAn der Sch\u00fcssel mit den Donuts hatten sie sich getroffen, als beide gerade hineingreifen wollten. \u201eMagst du die auch am liebsten?\u201c hatte Hoss gefragt. Sie hatte genickt und dann hatte sich ihr sommersprossiges Gesicht zu einem schelmischen Grinsen verzogen, als sie hervorholte, was sie hinter dem R\u00fccken hielt. Es war ein gro\u00dfer L\u00f6ffel, den sie, so wie er aussah, aus einer Sch\u00fcssel mit Nudelsalat haben musste. \u201eSchau, dass uns keiner sieht, Hoss.\u201c Hoss sah sich pflichtschuldigst um und das M\u00e4dchen steckte blitzschnell den L\u00f6ffelstiel durch die L\u00f6cher der Donuts. Als sie ein Dutzend aufgespie\u00dft hatte, rief sie: \u201eLos, Hoss, renn!\u201c Und sie rannten.<br \/>\nSie waren auf Umwegen zum Schulhaus gelaufen, wo sie kichernd und japsend Halt gemacht hatten und wo sie nun ihre Beute mit gro\u00dfem Genuss und unter Plaudern und Erz\u00e4hlen verzehrten.<br \/>\n\u201eDu Hoss, wei\u00dft du, was noch s\u00fc\u00dfer schmeckt als Donuts?\u201c<br \/>\n\u201eHonig?\u201c riet der Zehnj\u00e4hrige.<br \/>\n\u201eNoch viel s\u00fc\u00dfer!\u201c<br \/>\n\u201eBonbons?\u201c<br \/>\n\u201eNein, Hoss, magst Du mich eigentlich? Denn ich mag dich sehr.\u201c<br \/>\n\u201eSicher mag ich dich, f\u00fcr ein M\u00e4dchen bist du ein super Kumpel. &#8211; Aua, warum hast du mich jetzt auf den Arm gehauen?\u201c<br \/>\n\u201eWeil du gesagt hast, \u201ef\u00fcr ein M\u00e4dchen\u201c. Ich bin ein super Kumpel, Hoss, klar? Und ich mag dich. Wei\u00dft du, was s\u00fc\u00dfer ist als Honig, Zucker, Bonbons und alles?\u201c<br \/>\nHoss sah Amalie verwundert an, die von ihrer Schaukel heruntergerutscht war und sich offensichtlich zu ihm auf seine setzen wollte. Er hielt sich mit beiden H\u00e4nden an den Ketten fest, als sie vor ihm stand.<br \/>\n\u201eK\u00fcsse, Hoss!\u201c<br \/>\n\u201eK\u00fcsse, bist du verr\u00fcckt?\u201c<br \/>\n\u201eProbiers mal, ich versprech es dir.\u201c<br \/>\nAmalie dr\u00fcckte ihre Lippen kurz auf die des \u00fcberraschten Hoss. \u201eUnd?\u201c fragte sie.<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht &#8230;&#8221;, sagte ein ziemlich verwirrter Hoss.<br \/>\n\u201eNaja, ich habs mir auch besser vorgestellt, aber ich habe meinen gro\u00dfen Bruder belauscht, wie er das zu seiner Freundin gesagt hat, genauso. Und sie hat es auch gesagt danach\u201c, teilte Amalie mit. \u201eVielleicht muss man sich die Lippen hinterher ablecken?\u201c \u00fcberlegte sie laut.<br \/>\nHoss leckte sich \u00fcber die Lippen, ja das schmeckte tats\u00e4chlich s\u00fc\u00df.<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, Amalie, ich glaube der s\u00fc\u00dfe Geschmach kommt doch eher von den Donuts.\u201c<br \/>\n\u201eKann sein, aber jetzt wissen wir wenigstens Bescheid\u201c, grinste sie den gro\u00dfgewachsenen blonden Jungen an. \u201eUnd ich mag dich wirklich, Hoss.\u201c<br \/>\n\u201eIch dich auch, Amalie. Sollten wir nicht einfach schauen, ob es noch was S\u00fc\u00dfes beim Picknick gibt.\u201c<br \/>\n\u201eWei\u00dft du was? Ich glaube, ich mag gar nichts S\u00fc\u00dfes mehr, irgendwie f\u00fchle ich mich so &#8230; so furchtbar satt\u201c gab Amalie zu.<br \/>\n\u201eJa, mir ist auch fast schlecht. Sechs Donuts, nein eigentlich neun, ich hatte vorher schon drei, sind vielleicht doch ein bisschen viel.\u201c<br \/>\nBeide grinsten sich an.<br \/>\n\u201eWissen deine Eltern eigentlich, dass du hier bist, Amalie?\u201c<br \/>\nSie sch\u00fcttelte den Kopf.<br \/>\n\u201eMeine auch nicht.\u201c<br \/>\n\u201eWie sp\u00e4t ist es wohl?\u201c<br \/>\n\u201eKeine Ahnung, aber die Sonne steht schon ziemlich tief.\u201c<br \/>\n\u201eOh ja, du hast recht. Das habe ich gar nicht gemerkt.\u201c<br \/>\nDie Kinder tauschten einen besorgten Blick.<br \/>\n\u201eNa gut, dass wir beide keine Lust mehr auf was S\u00fc\u00dfes haben, Hoss, denn ich glaube nicht, dass unsere Eltern mit was S\u00fc\u00dfem auf uns warten.\u201c<br \/>\n\u201eVielleicht haben sie ja gar nicht gemerkt, dass wir weg waren!\u201c<br \/>\n\u201eDann sollten wir uns am besten beeilen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAcht Dollar und 50 Cent\u201c, dachte Adam, und klimperte mit den M\u00fcnzen in seiner Tasche.<br \/>\nEr hatte sein w\u00f6chentliches Taschengeld fast verdreifacht. Die Bonner-Br\u00fcder waren viel schlechtere Pokerspieler, als sie glaubten.<\/p>\n<p>Pa wusste nichts von seinen Pokerrunden mit seinen neuen Freunden am Sonntag nach der Kirche. Und er sollte davon auch besser nie etwas erfahren. Pokern um Geld und das am Sonntag w\u00fcrde ihm nicht gefallen. Aber was sollte er denn tun? Sich immer als der brave, kleine Adam verspotten lassen? Er war sechzehn und ein Mann! Ja, auch wenn er noch die Schule besuchte oder eher Privatstunden bei Lehrer Brown hatte, war er doch kein Schuljunge mehr! Nein, er hatte den anderen einfach zeigen m\u00fcssen, dass sie durchaus mit ihm rechnen konnten und mussten! Und wenn er gewann, umso besser, dachte er zufrieden und schlenderte weiter durch die leere Stra\u00dfe. Alle waren beim Picknick und auch er sollte zusehen, dort schnell wieder hinzukommen, bevor sein Fehlen bemerkt wurde. Adam legte einen Schritt zu.<br \/>\n\u201eCartwright, so allein unterwegs?\u201c<br \/>\n\u201eWas wollt ihr? Lasst mich vorbei!\u201c Adam, der f\u00fcr sein Alter durchaus gro\u00df und muskul\u00f6s war, versuchte die zwei etwa 18-J\u00e4hrigen, die sich ihm in den Weg gestellt hatten, wegzuschubsen. Beide hatten dem Pokerspiel, das immer hinter dem Mietstall stattfand, zugesehen. Freunde der Bonner-Br\u00fcder.<br \/>\n\u201eSuchst du Streit, Cartwright, das kannst du haben!\u201c<br \/>\nUnd schneller, als Adam es sich versah, hatten sich die beiden auf ihn gest\u00fcrzt und ihn mit ein paar Fausthieben in den Magen und in den R\u00fccken auf die Knie gezwungen.<br \/>\n\u201eNa, Kleiner! Und jetzt r\u00fcckst du alles Geld raus, was du in den Taschen hast, oder du stehst hier nicht mehr alleine auf.\u201c<br \/>\nAdam \u00fcberlegte kurz, sich zu wehren, doch er wusste, dass die Stiefelspitze, die er vor sich sah, gnadenlos in seinem Gesicht landen w\u00fcrde, also griff er in die Tasche und holte die M\u00fcnzen hervor.<br \/>\n\u201eHer damit!\u201c Adam widerstand auch der Versuchung, das Geld einfach in den Dreck zu werfen, sondern reichte es seinen Peinigern.<br \/>\n\u201eGut so, mein Kleiner! Und jetzt steh auf und dreh deine Taschen um, dass wir sehen k\u00f6nnen, dass du auch alles ordentlich abgeliefert hast.\u201c<br \/>\nAdam stand schwankend auf und drehte seine jetzt leere Tasche nach au\u00dfen und holte aus der anderen sein frisches Taschentuch, bevor er auch sie umdrehte.<br \/>\n\u201e Braver Junge! Und jetzt verpiss dich!\u201c Sie gaben ihm einen Schubs in die Richtung, in die er hatte urspr\u00fcnglich gehen wollen. \u201eUnd geh ruhig zu deinem Alten petzen, dass dir ein paar B\u00f6se deinen sch\u00f6nen Pokergewinn abgenommen haben, hahahaha!\u201c<br \/>\nAdam ging so sicher und unger\u00fchrt, wie es ihm m\u00f6glich war, einfach weiter und sah sich nicht um.<br \/>\nIn einem hatten diese Schweine recht, dachte Adam, Pa w\u00fcrde er nichts davon erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Er holte erneut sein Taschentuch aus seiner linken Tasche. Er w\u00fcrde sich ein wenig herrichten m\u00fcssen, bevor er zur Picknickwiese ging. Aber in einem anderen Punkt t\u00e4uschten sie sich und dann zog er vorsichtig eine eng gefaltete f\u00fcnf Dollarnote aus dem Taschentuch. Immer noch zwei Dollar Reingewinn, dachte er. Und mal sehen, ob er nicht mit ein paar Freunden demn\u00e4chst mal am l\u00e4ngeren Hebel sitzen w\u00fcrde. Dieser Gedanke tr\u00f6stete ihn fast noch mehr als das Geld.<\/p>\n<p>Ben ging unruhig auf und ab. Oh, diese Jungs! Warum konnten sie nicht einmal h\u00f6ren! Allen dreien hatte er eingesch\u00e4rft, hier auf der Wiese zu bleiben! Adam war doch alt genug, um auf seine Br\u00fcder aufzupassen und einem einfachen Befehl zu folgen, aber nein, nun waren sie verschwunden, alle drei. Unglaublich!<br \/>\nVielleicht hatte Joe aufs Klo gemusst und seine gro\u00dfen Br\u00fcder hatten ihn begleitet, beruhigte er sich selbst. Wieder ging er suchend und wartend auf und ab. Er hasste Unzuverl\u00e4ssigkeit!<br \/>\nUnd alles hatte heute so harmonisch angefangen, es war wundersch\u00f6nes Wetter gewesen, nicht nur seine Familie, sondern die ganze Gemeinde war in solch feiertagsfriedlicher und fr\u00f6hlicher Stimmung, dass er sich sogar mit Marie ein wenig hatte zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend seine drei S\u00f6hne besch\u00e4ftigt waren. Joe bei den Kinderspielen, die einige Frauen organisiert hatten, Hoss beim Essen und Adam beim Plaudern mit M\u00e4dchen, so wie es zu erwarten gewesen war. Er kannte seine Jungen ja gut genug, um zu wissen, wo ihre Vorlieben lagen. Er hatte mit Marie etwas abseits am Wasser auf einer Decke gelegen und sie hatten gelacht und gescherzt und sich sogar gek\u00fcsst wie ein junges Liebespaar. Danach war Marie zu einer Verabredung zu einer Freundin gegangen und er hatte sich mit seinen Freunden zu einer M\u00e4nnerrunde getroffen. Vorher hatte er Adam beauftragt, nach seinen Br\u00fcdern zu sehen. Jetzt w\u00fcrde Marie jeden Moment hier sein, damit sie vor der Dunkelheit nach Hause kamen.<br \/>\nWo waren seine S\u00f6hne nur! Ben hatte es ihnen doch so ans Herz gelegt, nicht wegzugehen.<br \/>\nAndererseits, wenn Adam seine kleinen Br\u00fcder mitgenommen hatte, konnte eigentlich nichts Gro\u00dfartiges passiert sein. Ben rechnete nach, seit Marie weg war, mussten gut drei Stunden vergangen sein. Er hatte mit Doc Martin und Sheriff Coffee so angeregt diskutiert, dass ihm gar nicht aufgefallen war, wie tief die Sonne schon stand. Wo blieben nur die Jungs!<\/p>\n<p>\u201eAdam! Wo kommst du her!\u201c<br \/>\n\u201eEntschuldige, Pa, ich wollte nur kurz was erledigen, aber ich bin aufgehalten worden von ein paar &#8230;.. Freunden\u201c, murmelte Adam und sah seinen Vater vorsichtig von unten her an.<br \/>\n\u201eWarum warst du \u00fcberhaupt weg? Wie kannst du nur so unzuverl\u00e4ssig sein? Aber komm jetzt endlich! Wo sind Hoss und Little Joe? Wir m\u00fcssen langsam anspannen und los!\u201c<br \/>\nAdam r\u00e4usperte sich: \u201eHoss und Joe, Pa?\u201c<br \/>\n\u201eJa, deine j\u00fcngeren Br\u00fcder, du erinnerst dich doch an sie?\u201c<br \/>\n\u201eIch wei\u00df nicht, wo sie sind, Pa.\u201c<br \/>\n\u201eWie bitte?\u201c<br \/>\n\u201eIch, ich hab\u00b4 Hoss gesagt, er soll auf Joe aufpassen und sie sollen die Wiese nicht verlassen, Pa, Hoss ist alt genug, dass er mal auf Joe achten kann oder?\u201c<br \/>\n\u201eNa, das ist ja pr\u00e4chtig, Adam, und jetzt sind beide weg. Kann man sich hier denn auf keinen von euch verlassen?\u201c Ben warf Adam einen ver\u00e4rgerten Blick zu. \u201eAber jetzt lass uns erstmal suchen!\u201c<br \/>\nOh, wenn er Hoss in die Finger bekam! Wie konnte sein Bruder nur einfach weggehen? Er hatte es ihm doch eingesch\u00e4rft, dass er die Wiese nicht verlassen und auf Joe aufpassen sollte!<br \/>\nEr selbst hatte es offensichtlich geschafft, seinen staubigen Sonntagsanzug und sein Gesicht und Haar so hinzukriegen, dass Pa nichts von seinem kleinen Abenteuer bemerkt hatte, und jetzt musste Hoss mit Joe die Wiese verlassen. Wie konnte Hoss ihn nur so h\u00e4ngen lassen? \u201eErstmal\u201c hatte Pa gesagt, das klang nicht gut.<br \/>\nAdam suchte hinter allen B\u00fcschen am Rande der Wiese und Ben ging nochmals zum Seeufer.<\/p>\n<p>\u201eErik!!!\u201c Hoss fuhr herum, als er gerade versuchte sich zwischen zwei B\u00fcschen durchzuschl\u00e4ngeln. Sein Fehlen war offensichtlich doch bemerkt worden, schade, und er hatte gehofft, wenn er sich von unten her zur\u00fcckschleichen w\u00fcrde, w\u00fcrde er sagen k\u00f6nnen, er sei nur am Wasser gewesen.<br \/>\n\u201eWo warst du?\u201c<br \/>\n\u201eIch war mal kurz auf dem Spielplatz, Pa, nur ganz, ganz kurz. Wir wollten schaukeln.\u201c<br \/>\n\u201eIch habe euch doch gesagt, ihr sollt nicht weggehen, Erik, und Adam auch, oder?\u201c<br \/>\n\u201eJa, Pa, es tut mir leid.\u201c<br \/>\n\u201eNun, wir werden sp\u00e4ter nochmal \u00fcber deinen Ungehorsam sprechen, aber jetzt lasst uns endlich los. Eure Mutter m\u00fcsste eigentlich schon hier sein! Und wo steckt Joe eigentlich?\u201c Hoss sah seinen Vater aus gro\u00dfen runden Augen an und zuckte mit den Schultern.<br \/>\n\u201eIst er nicht da, Pa? Ich habe ihm doch gesagt, dass er hier bleiben soll, als ich zu den Donuts bin, ehrlich, Pa, ich habs ihm gesagt! Da hinten war er zuletzt bei den Spielen!\u201c<br \/>\nHoss deutete auf die nun schon leicht d\u00e4mmrige Stelle, an der vor Stunden das Sackh\u00fcpfen stattgefunden hatte.<\/p>\n<p>Marie eilte beschwingten oder musste man vielleicht sogar sagen beschwipsten Schrittes die Stra\u00dfe entlang zur Picknickwiese. Sie hatte einen wundersch\u00f6nen Nachmittag verlebt, zun\u00e4chst das Sch\u00e4ferst\u00fcndchen auf der Decke mit ihrem Ben und dann die wunderbar unbeschwerten Stunden mit ihrer Freundin. Sie hatten geplaudert, \u00fcber alle m\u00f6glichen Leute gel\u00e4stert und albern gekichert wie die Schulm\u00e4dchen und sich dann noch ein oder vielleicht eher drei bis vier Lik\u00f6rchen genehmigt. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass es schon langsam dunkel wurde, jetzt aber schnell, ihre M\u00e4nner warteten gewiss schon.<\/p>\n<p>\u201eHallo Ben, mein Schatz, Hoss, Adam, wartet ihr schon? Ich bin hoffentlich nicht zu sp\u00e4t?\u201c<br \/>\n\u201eNein, wie mans nimmt, Marie.\u201c Die beiden Jungs sahen irgendwie niedergeschlagen aus.<br \/>\n\u201eWas ist los? Wo ist mein petit Joseph?\u201c<br \/>\n\u201eMarie, Joe ist verschwunden.\u201c<br \/>\n\u201eWas? Wie kann das sein?\u201c<br \/>\n\u201eMarie, ich musste etwas Wichtiges mit Doc Martin und Sheriff Coffee besprechen, gesch\u00e4ftlich. Da habe ich mal ausnahmsweise meinen \u00e4ltesten Sohn gebeten, nach seinen Br\u00fcdern zu schauen! Und das ist das Ergebnis!\u201c<br \/>\n\u201eAusnahmsweise, Pa? Seitdem ich mich erinnern kann, passe ich auf meine Br\u00fcder auf. Ich dachte, dass Hoss jetzt vielleicht langsam auch mal ein bisschen Verantwortung h\u00e4tte \u00fcbernehmen und auf Joe aufpassen k\u00f6nnen! In seinem Alter habe ich das schon Jahre getan!\u201c<br \/>\n\u201eJoe wollte nicht mit mir mitkommen, ehrlich, Pa, er wollte einfach nicht, er wollte bei den Spielen bleiben\u201c, Hoss heulte fast.<br \/>\n\u201eIch kann nur sagen, dass ich \u00fcber eure Unzuverl\u00e4ssigkeit schwer entt\u00e4uscht bin. Es ist unfassbar!\u201c zischte Ben seine S\u00f6hne an, die beide den Kopf h\u00e4ngen lie\u00dfen.<br \/>\n\u201eBen, du wirst doch die Schuld jetzt nicht auf die Jungen schieben. Du wolltest doch schlie\u00dflich selbst auf Joseph aufpassen, aber dir waren ja deine Freunde offenbar wichtiger!\u201c<br \/>\n\u201eUnd du, Marie? Warum hast du deinen Sohn nicht mitgenommen zu deinem Kaffeeklatsch? Du bist schlie\u00dflich die Mutter!\u201c<br \/>\n\u201eDas ist ja unglaublich, erst versprichst du, auf Joe aufzupassen, und dann gibst du mir die Schuld, dass er weg ist.\u201c<br \/>\nMarie drehte sich entr\u00fcstet von Ben weg und lief Richtung See. Adam und Hoss warfen ihrem Vater verlegene Blicke zu, als Marie davonst\u00fcrmte, und Ben drehte sich um und stapfte in die entgegengesetzte Richtung los.<br \/>\n\u201eNun, zumindest sind wir aus der Schusslinie\u201c, grinste Adam Hoss zu.<br \/>\nUnd dann beteiligten sich die beiden auch an der Suche.<br \/>\nMarie kam zu der Stelle, wo sie am Mittag so romantisch mit Ben gelegen hatte. Die romantischen Gef\u00fchle waren ihr vergangen, aber gr\u00fcndlich. Aber da lag ja tats\u00e4chlich noch ihre Decke. Niemand hatte offensichtlich daran gedacht, sie einzupacken. Und auf der Decke lag eine kleine Gestalt mit einer wei\u00dfen G\u00e4nsefeder im Haar.<br \/>\n\u201eJoseph!\u201c Marie st\u00fcrzte auf den Kleinen los und hob ihn auf den Arm.<br \/>\n\u201eWo hast du nur gesteckt? Wir haben uns Sorgen gemacht.\u201c<br \/>\nAdam, Ben und Hoss erschienen auf den Ruf hin von verschiedenen Seiten an der Stelle, wo Marie mit Joe auf dem Arm stand.<br \/>\n\u201eJoe, warum bist du von der Wiese weggelaufen?\u201c schimpfte Hoss.<br \/>\n\u201eDu warst weg, Adam war weg, Pa war weg und Ma auch. Und da hat Little Eagle die Spur aufgenommen. Ich wollte zuerst dich retten Hoss und dann h\u00e4tten wir die anderen befreit! Aber dann habe ich irgendwie deine Spur verloren und dann bin ich lange rumgelaufen und dann habe ich unsere Decke gefunden und dann war ich m\u00fcde und dann habe ich gedacht, ihr kommt schon irgendwie durch.\u201c Joe g\u00e4hnte und schenkte seiner Familie ein verwaschenes L\u00e4cheln.<br \/>\n\u201eJoe, trotzdem, du h\u00e4ttest nicht allein weglaufen d\u00fcrfen\u201c, sagte Hoss.<br \/>\n\u201eNa, du musst ja ganz still sein!\u201c<br \/>\n\u201eAber du, Adam, h\u00e4ltst dich wohl f\u00fcr ein Vorbild!\u201c<br \/>\n\u201eAch Ben\u201c, sagte Marie, \u201ewollen wir nicht einfach zugeben, dass wir heute alle einen kleinen Ausnahmetag hatten? Und es damit gut sein lassen?\u201c<br \/>\nBen zog eine Augenbraue hoch und musterte seine Frau und seine S\u00f6hne skeptisch, bis er schlie\u00dflich lachen musste. Und lachend bestieg die Familie die Kutsche und fuhr in harmonischer Stimmung heim, sie unterhielten sich, sangen und machten Witze und zwischendrin dachte jeder mal an seinen Ausnahmetag, f\u00fcr den er sich nun zum Gl\u00fcck nicht mehr rechtfertigen musste und dessen Details eine Privatangelegenheit bleiben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tags:\u00a0 Ben Cartwright, Adam Cartwright, Hoss Cartwright, Joe Cartwright, Marie Cartwright<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_8312\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"8312\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" version=\"1.0\" viewBox=\"0 0 502 315\" preserveAspectRatio=\"xMidYMid meet\"><g transform=\"translate(0,332) scale(0.1,-0.1)\" fill=\"\" stroke=\"none\"><path d=\"M2394 3279 l-29 -30 -3 -207 c-2 -182 0 -211 15 -242 39 -76 157 -76 196 0 15 31 17 60 15 243 l-3 209 -33 29 c-26 23 -41 29 -80 29 -41 0 -53 -5 -78 -31z\"\/><path d=\"M3085 3251 c-45 -19 -58 -50 -96 -229 -47 -217 -49 -260 -13 -295 52 -53 146 -42 177 20 16 31 87 366 87 410 0 70 -86 122 -155 94z\"\/><path d=\"M1751 3234 c-13 -9 -29 -31 -37 -50 -12 -29 -10 -49 21 -204 19 -94 39 -189 45 -210 14 -50 54 -80 110 -80 34 0 48 6 76 34 21 21 34 44 34 59 0 14 -18 113 -40 219 -37 178 -43 195 -70 221 -36 32 -101 37 -139 11z\"\/><path d=\"M1163 3073 c-36 -7 -73 -59 -73 -102 0 -56 133 -378 171 -413 34 -32 83 -37 129 -13 70 36 67 87 -16 290 -86 209 -89 214 -129 231 -35 14 -42 15 -82 7z\"\/><path d=\"M3689 3066 c-15 -9 -33 -30 -42 -48 -48 -103 -147 -355 -147 -375 0 -98 131 -148 192 -74 13 15 57 108 97 206 80 196 84 226 37 273 -30 30 -99 39 -137 18z\"\/><path d=\"M583 2784 c-38 -19 -67 -74 -58 -113 9 -42 211 -354 242 -373 16 -10 45 -18 66 -18 51 0 107 52 107 100 0 39 -1 41 -124 234 -80 126 -108 162 -133 173 -41 17 -61 16 -100 -3z\"\/><path d=\"M4250 2784 c-14 -9 -74 -91 -133 -183 -95 -150 -107 -173 -107 -213 0 -55 33 -94 87 -104 67 -13 90 8 211 198 130 202 137 225 78 284 -27 27 -42 34 -72 34 -22 0 -50 -8 -64 -16z\"\/><path d=\"M2275 2693 c-553 -48 -1095 -270 -1585 -649 -135 -104 -459 -423 -483 -476 -23 -49 -22 -139 2 -186 73 -142 361 -457 571 -626 285 -228 642 -407 990 -497 242 -63 336 -73 660 -74 310 0 370 5 595 52 535 111 1045 392 1455 803 122 121 250 273 275 326 19 41 19 137 0 174 -41 79 -309 363 -465 492 -447 370 -946 591 -1479 653 -113 14 -422 18 -536 8z m395 -428 c171 -34 330 -124 456 -258 112 -119 167 -219 211 -378 27 -96 24 -300 -5 -401 -72 -255 -236 -447 -474 -557 -132 -62 -201 -76 -368 -76 -167 0 -236 14 -368 76 -213 98 -373 271 -451 485 -162 444 86 934 547 1084 153 49 292 57 452 25z m909 -232 c222 -123 408 -262 593 -441 76 -74 138 -139 138 -144 0 -16 -233 -242 -330 -319 -155 -123 -309 -223 -461 -299 l-81 -41 32 46 c18 26 49 83 70 128 143 306 141 649 -6 957 -25 52 -61 116 -79 142 l-34 47 45 -20 c26 -10 76 -36 113 -56z m-2057 25 c-40 -58 -105 -190 -130 -263 -110 -324 -59 -707 132 -981 25 -35 42 -64 37 -64 -19 0 -241 119 -326 174 -188 122 -406 314 -532 468 l-58 71 108 103 c185 178 428 349 672 473 66 33 121 60 123 61 2 0 -10 -19 -26 -42z\"\/><path d=\"M2375 1950 c-198 -44 -350 -190 -395 -379 -18 -76 -8 -221 19 -290 114 -284 457 -406 731 -260 98 52 188 154 231 260 27 69 37 214 19 290 -38 163 -166 304 -326 360 -67 23 -215 33 -279 19z\"\/><\/g><\/svg><\/i> <img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/bonanzabrand.info\/library\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif?resize=16%2C16&#038;ssl=1\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Familie Cartwright besucht ein Kirchenpicknick, alles ist harmonisch und friedlich &#8211; oder doch nicht? 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