Summary: Eine kleine kurze Geschichte über Hop Sings täglichen Ärger mit den Cartwrights und dessen Folgen, angesiedelt um 1853.
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Das Verursacherprinzip
„Adam, du bist schuld! Als du noch im College warst, hatten wir nie Ärger mit Hop Sing, aber jetzt, kaum bist du ein halbes Jahr zurück, will er kündigen!“
„Solch ein gottverdammter Unsinn, Hoss!“
„Könntest du vielleicht aufhören zu fluchen oder ist das jetzt die neueste Mode in Boston?“ warf Ben ärgerlich ein.
Die vier Cartwrights saßen am Esstisch, auf dem außer leeren Tellern nichts stand, und durchlebten ein eindeutiges Stimmungstief.
„Entschuldige, Pa, aber ich weiß nicht, warum ihr alle auf mir rumhackt.“
„Sohn Nummel 1 nicht schuld.“
„Aha, da hört ihr es!“
„Nicht allein schuld, alle schuld. Hop Sing leicht es, gehen zu Cousin und dann zulück nach China!“ Hop Sing stand vor dem Esstisch, in der Hand eine Reisetasche.
„Hop Sing, bitte, ich gebe dir auch eine Gehaltserhöhung, bitte lass uns nicht im Stich.“
„Hat mit Geld nichts zu tun, Hop Sing nicht können albeiten so, nicht mit Catlights!“ und damit nahm er seinen Weg Richtung Haustür wieder auf.
„Aber, Hop Sing, was haben wir denn gemacht?“ versuchte Hoss ein Gespräch in Gang zu bringen, um Hop Sing am Weitergehen zu hindern.
„Oh, Hop Sing elklälen“, und damit kam Hop Sing mit zornigen Schritten zurück und warf seine Tasche auf den Fußboden, um die Hände frei zu haben.
„Alle“, und er machte eine kreisförmige Handbewegung, die alle am Tisch einschloss, „sehen nicht Albeit von Hop Sing, machen kaputt immel.
Mistel Adam ist seit College feinel Mann gewolden, wechselt Wäsche wie in Hotel, Handtuch und zwei Hemden jeden Tag. 14 Hemden waschen und bügeln fül Hop Sing nul fül Sohn Nummel 1 in einel Woche.“
„Siehst du, ich habe es ja gleich gesagt!“ sagte Hoss triumphierend.
„Sohn Nummel 2 noch mehl älgeln Hop Sing. Immel naschen, naschen, naschen.“ Hop Sing schüttelte seinen Zeigefinger in Richtung Hoss, der erschreckt zurückwich.
„Gesteln Hop Sing gebacken, heute Glasul feltig gemacht und … alle kleinen Kuchen schon aufgegessen.“
„Hoss, das war aber tatsächlich nicht in Ordnung von dir. Wieviele Jahre sage ich dir schon, du sollst nicht an Hop Sings Sachen gehen!“
„Ach Pa! Hop Sing, sie waren einfach zu gut und ich dachte immer, du freust dich, wenn mir dein Essen schmeckt“, versuchte Hoss Gutwetter zu machen.
„Essen, wenn Essen auf Tisch! Walum nicht flagen, sondeln immel nehmen, bevol feltig.“
„Hop Sing, wenn wir vielleicht ….“ versuchte Ben sein Glück.
„Nein, jetzt Vatel nett und machen Zuckelmund, wie Mistel Hoss in Hop Sings Küche gesteln von kleinen Kuchen, abel sonst immel schleien und lufen. Walum immel laut?“
Drei Söhne im Alter zwischen 23 und 10 Jahren versuchten erfolglos ihr Grinsen zu verbergen.
„Adam, Erik, Joseph! Hört auf damit!“
„Wiedel schleien, immel schleien.“ Hop Sing deutete mit ausgestrecktem Arm auf Ben. Während Adam und Hoss sich nun im Griff hatten, musste Joe kichern, als Hop Sing seinem Vater die Leviten las.´
Hop Sing fuhr herum: „Und du Sohn Nummel dlei, nie aufläumen, Kleidel einfach untel Bett stopfen. Nicht nul Kleidung auch Flösche und andele Tiele, auch tote. Hop Sing putzen, putzen, putzen.“
„Joe, wirklich, du weißt doch, dass du dein Zimmer aufräumen sollst!“
„Ja jetzt leden, abel alle, volnehmel Mistel Adam, unoldentlichel kleinel Junge und gloßel Junge und auch Vatel, alle immel mit dleckigen Schuhen aus Scheune in Haus. Hop Sing gehen. Endgültig“ und Hop Sing hob seine Tasche auf und wie auf ein Stichwort hörte man nun eine Kutsche in den Hof einfahren.
Das musste Hop Sings Cousin sein, der ihn alle 14 Tage besuchte.
„Letztes Wolt von Hop Sing, bevol Aufwiedelsehen, hiel nie sagen, wie viele essen. Mittwoch Mistel Loss, Mastel Mitch, Miss Amy-Sue und Doc Maltin bei Essen ohne volhel Bescheid sagen. Fleitag Hop Sing gloßen Vogel blaten und keinel da, kein Gast und kein Catlight. Hop Sing gehen. Aufwiedelsehen!“
Alle vier waren aufgestanden und folgten Hop Sing nach draußen, in dem Bemühen, ihn aufzuhalten, aber er warf seinem Cousin nur ein paar chinesische Sätze hin, worauf dieser gar nicht erst von der Kutsche abstieg und gleich drehte. Hop Sing kletterte auf den Kutschbock und dann war er verschwunden und ließ vier ratlose Cartwrights zurück.
„So, Jungs, jetzt hat es auch keinen Sinn mehr zu streiten, jetzt müssen wir die Arbeit einfach aufteilen.“
Ben setzte sich an seinen Schreibtisch und nahm sich einen Notizzettel und einen Bleistift und schrieb ein paar Worte auf. Seine drei Söhne scharten sich um ihn.
„Wir sollten nach dem Verursacherprinzip vorgehen.“
„Nach was, Pa?“ fragten Joe und Hoss gleichzeitig.
„Nach dem Verursacherprinzip! Nun, fangen wir mit Adam an. Er ist der Verursacher der vielen Wäsche, also wird er sich ums Waschen kümmern.“
„Pa?“
„Erzähl mir nur nicht, dass du keine Ahnung hast, wie das geht. Du bist ausgebildeter Ingenieur, denk dir was aus oder lies nach, außerdem wirst du ja wohl mal zugeguckt haben.” Adam schaute seinen Vater zunächst ungläubig an, nickte dann aber ergeben.
„Hoss, du interessiertst dich am meisten für essen, also wirst du für die Küche zuständig sein.“
„Pa, aber ich kann nicht kochen.“
„Glaubst du jemand von uns?“
Adam überlegte. Er kannte die Kochfähigkeiten seines Vaters recht genau, er konnte aus allem möglichen einen Eintopf machen, der mit Glück ganz annehmbar schmeckte, selbst aus Eichhörnchen, erinnerte er sich. Und frische Fische über offenem Feuer braten. Das war ungefähr das, was er selbst auch konnte, mal abgesehen von Rührei. Da war vielleicht Hoss tatsächlich die beste Wahl. Er nicke seinem siebzehnjährigen Bruder aufmunternd zu.
„Und du, Joseph, wirst erst mal dein Zimmer aufräumen und ansonsten beim Spülen und Abtrocknen helfen.“
Joes Mund blieb offen. „Spülen, Pa?“
„Und was wirst du machen, Pa, Kreide fressen?“ rutschte es Adam raus.
Wäre Adam ein paar Jahre jünger gewesen, hätte er gefürchtet, dass es nicht nur bei dem tödlichen Blick geblieben wäre, den sein Vater ihm jetzt zuwarf.
„Nein!“ brüllte Ben und versuchte dann seine Lautstärke in den Griff zu bekommen, er säuselte fast, wenn auch mit eindeutig sarkastischem Unterton: „Ich werde mich ums Putzen im Untergeschoss kümmern, für sein Schlafzimmer ist jeder selbst verantwortlich.“
Irgendwas hatte Ben an Bewegung aus Joes Richtung wahrgenommen.
„Das heißt, Little Joe, dass du dein Zimmer selbst aufräumst und putzt, aber ich werde den Zustand des Zimmers regelmäßig überprüfen. Und ich werde auch unters Bett sehen, verlass dich drauf“ mahnte Ben.
„Pa, ich dachte, vielleicht könnte ich bis zum Wochenende zu Mitch. Die Devlins haben mich doch oft eingeladen und dann wärt ihr mich hier los. Einer weniger, der isst und Dreck macht. Und nächste Woche kann ich dann ja umso mehr helfen.“
„Das wären immerhin vier Tage, Joe. Und Du hast doch auch andere Aufgaben hier, andererseits hast du nicht so unrecht. Vielleicht …….“
„Oh Pa, bitte!“
„Nun dann muss eben Adam beim Spülen helfen. Sieh zu, dass du vorher dein Zimmer aufräumst und die Holzboxen auffüllst. Ich werde für dich die Hühner versorgen.“
„Pa, ist das nicht ein bisschen unfair uns gegenüber?“
„Unsinn, Adam, dein Bruder ist zehn Jahre alt und ein Kind und ich bin froh, wenn er wenigstens ein paar Tage vernünftiges Essen bekommt.“
„Ich gehe dann jetzt mein Zimmer aufräumen, Pa“, sagte Joe mit Engelsstimme.
Adam und Hoss sahen sich an und rollten die Augen.
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„Was gibt’s zum Mittagessen, Hoss?“
„Oh, ich hatte an Bohnen gedacht, Adam.“
„Köstlich und so abwechslungsreich. Hatten wir nicht gestern und vorgestern Bohnen? Wobei sie gestern ganz anders geschmeckt haben. Irgendwie so pikant nach Kohle.“
In dem Moment flog Adam ein gut gezielter nasser Lappen ins Gesicht. Dass Hoss sich so schnell umdrehen konnte, hatte er nicht angenommen.
„Hey Hoss, nimms nicht persönlich, ist wahrscheinlich eher Galgenhumor. Ich weiß nicht, wie Hop Sing das mit der Wäsche macht. Das Wasser ist so heiß und meine Knöchel fühlen sich an, als hätte ich mich stundenlang im Saloon geprügelt. Und beim Auswringen hat das eine Bettlaken irgendwie Bodenkontakt bekommen und ich konnte es nochmal waschen! Oh, und ich schwöre, zwei Hemden in der Woche sind genug, ein schwarzes für die Arbeit und ein weißes für abends und sonntags und auf rote Hemden werde ich ganz verzichten. Und außerdem sollten wir uns alle Servietten umziehen oder noch besser große Küchenhandtücher, Tomatenflecken gehen extrem schlecht raus!“
„Ja, gewürfelte Handtücher um den Hals beim Dinner, genau wie in Boston!“ Beide Brüder mussten lachen.
„Adam rührst du bitte die Bohnen um, während ich den Speck brate?“
„Klar, ich kann auf den Beigeschmack heute mal verzichten.“
Beide jungen Männer widmeten sich mit Sorgfalt ihrer Aufgabe.
„So ein Stück frisches Brot, das wäre auch mal wieder was, aber außer bei Weihnachtsplätzchen habe ich nie beim Backen geholfen“, stellte Hoss fest.
„Nun, dann versuch es doch mal damit für heute Abend, lass einfach den Zucker weg und was man da sonst reinmacht. Zimt und so.“
„Meinst Du?“
„Was haben wir denn für Alternativen?“
Hoss nahm die Pfanne und Adam den Topf und beide verließen sie die Küche Richtung Esszimmer.
„So ein Schei – benkleister!“ rief Hoss. „Jetzt habe ich wieder nicht daran gedacht, dass Pa auf jeder Türschwelle einen nassen Lappen zum Füßeabputzen liegen hat. Jetzt sind meine Socken schon wieder nass.“
„Ja, kleiner Bruder, wie wärs mit Hausschuhen. Und durch das auf Strümpfenlaufen überschreitest du eindeutig deine Sockenration, ich kann nicht tagelang nur deine Socken waschen!“
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„Pa, hast du denn jetzt eine Anzeige aufgegeben für einen neuen Koch oder eine neue Köchin?“
„Ja, Hoss, sie muss heute erschienen sein. Reich mir doch bitte mal die Bohnen. Hatten wir übrigens diese Woche nicht schon mal Bohnen?“
Hoss seufzte.
„Oh Pa, keine Angst, ich fahre morgen eh nach VC rein, ich kann neue Dosen mitbringen“, grinste Adam über seinen Löffel erst seinen Vater und dann seinen Bruder an.
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„Hoss, bitte spüle du, wenn ich meine Hände heute nochmal in Wasser halten muss, dann weichen sie wahrscheinlich ganz auf.“
„Was soll´s, meinetwegen.“ Hoss tauschte mit Adam den Platz und begann zu spülen.
„Kannst du nicht ein bisschen sauberer spülen, da hängt ja noch alles dran!“
„Stell dich nicht so an, Adam, wischs halt weg.“
„Ja, wohl mit dem frischen Handtuch, du Blödmann.“
„Aua, Hoss, bist du verrückt!“
„Au!“
Beide Brüder drehten sich wütend um.
Hinter ihnen stand Hop Sing mit einem Kochlöffel in der Hand.
„Hiel wild saubel gealbeitet und nicht böse Wolte geblaucht. Hopp, hopp, weitelalbeiten.“
„Hop Sing, du bist zurück, wie wunderbar“ jubelte Hoss.
„Wunderbar“ ergänzte auch Adam, während er die vom Kochlöffel getroffene Stelle rieb, aber gleichzeitig Hop Sing freudig anstrahlte.
„Ihl Küche in Oldnung blingen, ich zu Vatel neuen Veltlag machen. Habe alles genau aufgeschlieben.“
In diesem Moment hörten sie Hufschlag und gingen nach draußen.
„Hallo, Little Joe, was machst du denn hier? Ich dachte, du kommst erst morgen“, fragte Hoss seinen kleinen Bruder.
„Ach, ich habs mir anders überlegt, jetzt wo Hop Sing wieder da ist, ist es zu Hause doch am schönsten.“
„Woher weißt du das denn von Hop Sing?“ fragte Adam misstrauisch. Ihm hatte es ganz und gar nicht gefallen, wie ihr kleiner Bruder sich aus dem Staub gemacht hatte.
„Oh, hm, er hat das doch zu seinem Cousin gesagt, dass er wiederkommt, wenn er eine Anzeige in der Zeitung sieht, und sonst längstens bis zum Wochenende wegbleibt. Versteht ihr etwa nicht einmal ein paar einfache Worte Chinesisch, große Brüder?“ und damit führte Joe sein Pony kichernd in die Scheune.
„Na, warte“, dachte Adam, aber dann musste er auch grinsen.
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